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18 March 2011 @ 06:43 pm
Gothic Friday #03 – Schwarzer Fächer der Passionen  
Die zwei dunklen Galleonsfiguren des Gothic Friday haben sich für den März etwas ganz Besonderes ausgedacht. Was sich Shan Dark und Robert daei gedacht haben, als sie uns auf dieses Thema losließen lässt sich nur erahnen, leicht gemacht haben sie es uns und vor allem mir allerdings nicht. Doch welches Thema hat mich in so tiefe Überlegungen und eine regelrechte Schaffenskrise gestürzt?

Es geht um Passionen, mit einem düsteren Unterton. Leidenschaften, die in der Szene begründet liegen, sich daraus entwickelten oder wenigstens entfernt damit verwandt sind. Dabei ist es völlig egal, ob man vor oder hinter der Kamera aktiv ist, liest oder gar selber schreibt, Musik hört oder sie auch macht, näht, über Friedhöfe wandert oder schwarze Rosen züchtet:
Der schwarze Fächer der Passionen


Es gibt wohl wenige Fragestellungen oder Aufgaben, die persönlicher wären, als über seine Leidenschaften zu schreiben. Nicht nur, dass es sehr vieler und genauer Überlegungen bedarf, sich überhaupt einmal darüber klar zu werden, was denn genau eine Leidenschaft ist, was sie von einem „gewöhnlichen“ Hobby unterscheidet und vor allem, ob sie etwas ist, das man mit der schwarzen Szene verbindet oder das von ihr zumindest geprägt und gefärbt wurde. Für mich bestand wirklich die Schwierigkeit darin, aus den wirren Massen meiner Tätigkeiten das heraus zu finden, was ich wirklich als eine „Leidenschaft“ beschreiben würde.
So facettenreich wie die Szene selbst ist, so sind auch die Dinge, an die ich meine freie Zeit gerne verschwende. Dabei haben manche Dinger mehr Einflüsse aus der Szene genossen als andere. Andere liegen dabei weit von der Szene entfernt und dennoch schaffe ich es irgendwie, sie mit dem zu färben, was ich aus dem Gothic für mich herausgezogen habe.
Das andere auch so viele Gedanken in ihre Beiträge gesteckt haben, lässt sich sehr leicht feststellen. Dieses Mal habe ich zum ersten Mal alle Beiträge gelesen, bevor ich mich an meinen eigenen gemacht ahbe und bei jedem, den ich gelesen habe, wurde mein Enthusiasmus größer und mein Wille kleiner. Im Gegensatz zu den anderen, kamen mir meine Ideen so klein vor. Wenn ich sehe, wie es andere schaffen mit Worten oder Zeichnungen Gefühle und Stimmungen aufs Papier zu bannen, oder vor und hinter der Kamera kleine Wunder vollbringen, kamen mir meine kleinen Leidenschaften so unbedeutend vor. Ich habe sehr großen Respekt vor allen, die ihre Passionen wirklich so ausleben können und nicht irgendwie durch äußere oder innere Zwänge daran gehindert werden. Es sind Dinge dabei, die ich mich selbst niemals trauen würde und andere, an die ich nicht einmal gedacht habe. Es war faszinierend zu lesen, was andere Menschen aus Herzen gerne tun und wie euphorisch und freudig sie darüber zu schreiben in der Lage sind. Es deprimiert zwar ein wenig, doch macht es auch Mut diese Beträge zu lesen und ich bin froh, dass alle bereit sind, dies mit uns allen zu teilen!
Aber nun werde auch ich meinen Fächer endlich einmal ausbreiten und wer weiß, vielleicht erwacht beim Schreiben auch die ein oder andere Lust wieder zu neuem Leben, denn einige meiner Leidenschaften wurden aufgrund meines Studiums leider in den undankbaren Hintergrund meines Lebens gerückt. Dabei sind sie es mehr als wert, mal wieder in den strahlenden Vordergrund gerückt zu werden!



Von Klein- und Nichtigkeiten
Ich besitze keine Spiegelreflexkamera, nähe nur, wenn ich wirklich Zeit habe und die Lust dazu verspüre, lege keinen großen Wert auf die perfekte Abstimmung meiner Kleidung und der passenden Schuhe und Accessoires und sehe mich mit meinen paar Piercings und Tattoos auch nicht als Bodymod-Spezialist an. Dennoch arbeite und lebe ich mit den oben genannten Dinge und auch, wenn ich weder ein Profifotograf noch ein Modedesigner oder Tattookünstler bin, lege ich doch ein bisschen Herzendblu und vor allem einen Teil meiner kostbaren Zet in diese Dinge. Darum finde ich, dass auch diese kleinen Nichtigkeiten Erwähnung finden sollten, denn sie sind nicht minder ein Teil meines Lebens als die großen Dinge, mit denen ich mich beschäftige!
Anders als viele, die eine Kamera haben und nach ein, zwei geknipsten Dingen große Stücke auf sich halten, bin ich weit davon entfernt mich als guten Fotografen zu sehen. Dennoch ist meine kleine Sony Digitalkamera mein steter Begleiter (die macht zwar nicht die besten Bilder von der Qualität her, aber immerhin besser als eine Handykamera) und ich knipse so ziemlich alles, was mir unter die Linse gerät. Ich habe einfach Spaß daran, Landschaten, Dinge und Stimmungen so festzuhalten, wie sie in diesem einen Moment gerade sind und auch, wenn andere aus den Bildern später nicht viel heraus lesen können sind sie für mich immer mit diesem einen Augenblick verknüpft.
Viel weniger Zeit verbringe ich an der Nähmaschine. Manchmal überkommt mich die Lust und ich fange etwas an oder mahe etwas weiter, allerdings besitze ich dafür irgendwie nicht die nötige Ausdauer. Viel lieber stehe ich vor meinem Kleiderschrank und schmeiße alles auf einen großen schwarzen Haufen und picke mir dann irgendwelche Dinge heraus, um sie dann unmöglicherweise zu kombinieren. Das morgenliche Anziehen hat so für mich eine weitaus größere Bedeutung gewonnen als nur der Nacktheit entgegenzu treten. Ich mag es einfach mir die verschiedensten Dinge anzuziehen und sie mit allen Möglich- und Unmöglichkeiten zu kombinieren. So kann es auch vorkommen, dass ich mich aus lauter Spaß an den Klamotten am Tag bis zu viermal umziehe. Und warum auch nicht? Ich kaufe mir die Sachen ja nicht nur, damit ich mich auf die Straße trauen kann, sondern um Spaß daran zu haben. Dieses Anziehritual ist mir mittlerweile auch sehr wichtig geworden. So kann ich nicht nur meiner aktuelle Stimmung Ausdruck verleihen sondern mich auch dahinter verstecken oder mich dadurch unsichtbar machen. Es ist einerseits also ein Spiel, eine Art "Wer bin ich?" und je nachdem aus welchem Blickwinkel man es betrachtet auch eine Art Kunst. Einerseits setzt man seinen Körper in Szene, andererseits ist es manchmal escht eine Kunst sich zu überwinden bestimmte Dinge zu tragen...
Gänzlich nackt würde ich allerdings auch ohne Kleidung nie auf die Straße treten, zieren meinen Körper doch die ein oder anderen Metallstücke und ein bisschen schwarze Tinte. Wenn ich das Geld und den Mut dazu hätte, wäre ich am ganzen Körper übersäht mit Tattoos und anderen Body-Modifications, aber auf der anderen Seite bedeuten mir meine kleinen Tattoos so viel, dass ich nicht einfach etwas unüberlegtes auf meine Haut klatschen möchte, dass dan gar nicht ins Gesammtbild passt. Ich habe viele Ideen, die ich aber lange nicht auf mir selbst umsetzten will. Trotzdem verbringe ich meine Zeit gerne damit Tattoo-Magazine zu studieren oder in unserem Stammladen herum zu sitzen und mir das Treiben dort anzusehen. Ich liebe den Geruch von Tinte vermischt mit Blut und Desinfektionsmittel und sehe immer wieder gerne zu, wenn mein Schatz sich mal wieder etwas stechen lässt.

Vom Lesen und Schreiben
Das geschriebene Wort – seit ich denken kann hat es in meinem Leben einen ganz besonderen Platz. Ob ich nun als Kind in Lese- und Märchenbüchern geschmökert habe oder mein ersten Geschichten auf Papier gebracht habe, seit damals begleiten sie mich: die Geschichten, Ideen und Fantasien anderer. Und ich sauge sie mit Verbissenheit und Lust in mich auf. Es gab Zeiten, da habe ich gelesen um einfach nur unterhalten zu werden, aber auch Zeiten, in denen ich las, um mich selbst zu vergessen und in eine andere Welt, ein anderes Leben zu fliehen, um in andere Charaktere zu schlüpfen, um jemand anderes zu sein als ich. Dann wiederrum ließ ich mich in fremde Welten entführen, weil mir mein eigenes Leben zu langweilig vorkam. So sind mir Bücher über die Jahre sehr wichtig geworden, nicht nur um meine Langweile zu bekämpfen. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass ich mich in Büchern verlieren konnte und es kam nicht selten vor, dass ich den ganzen Tag ein drückendes Gefühl im Bauch hatte, nur weil der Protagonist meines aktuellen Leseopfers in irgend einer Miesere steckte. Zu einem gewissen Teil kann ich also behaupten, dass ich ein Teil meiner Bücher geworden bin und sie ein Teil von mir.
Dabei beschränke ich mich zwar nicht nur auf „szene-typische“ Literatur, jedoch füllen immer noch den größten Teil meines Bücherregals aus. Dabei geht es von historischen Romanen über die obligatorischen Edgar Alan Poe-Sammlungen zu beliebten Fantasy-Romanen und „Sachbüchern“ über Drachen und andere fantastische Monster, Sagen und Märchenbücher. Natürlich lässt sich auch das ein oder andere Anti-Pop-Buch in meinem Regal finden. So zum beispiel mein erstes wirklich stark szenegefärbtes Buch „Schwarze Messe“ von dem Untoten-Sänger David Line.
Bücherempfehlungen möchte ich hier nicht geben, da Geschmäcker ja bekanntlich unterschiedlich sind und Bücher, die mich tief berühren für einen anderen vielleicht stinklangweilig sind, aber was ich jedem ans Herz legen will ist:
Macht Euch einen heißen Kaba, kramt Eure liebste Stimmungs-CD raus, mummelt euch in eine kuschelige Decke ein und lest ein gutes Buch. Und das sollte man so ziemlich jeden Monat mal widerholen, denn Lesen bildet nicht nur generell, nein; wenn man einfach mal abschalten und in die Gedankenwelt eines anderen eintauchen kann, die eigenen Probleme hinter sich lassend einfach entspannen kann, dann tut das auch unserer Seele gut, die von dem ganzen alltäglichen Stress in Schule, Uni, auf Arbeit, in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis schon stark beansprucht ist. Man kann sich vorstellen, jemand anderes zu sein und für die kurze Zeit, die man auf den Seiten eines Buchs verbringt, ist man der mutige Held oder die hübsche Kriegerin, die man in seinem echten Leben nicht sein kann.
Früher habe ich auch meine eigenen, kleinen Geschichten geschrieben, allerdings find eich heute immer weniger Zeit auch nur Kleinigkeiten zu Papier zu bringen. Das meiste vegetiert auf irgendwelchen Fresszetteln vor sich hin und selbst die Sachen, die ich auf dem Computer habe, bekommt keiner zu sehen. Ich habe schon immer für mich geschrieben, um mir Dinge von der Seele zu schreiben und um einen Teil meiner Gedanken aus meinem Kopf zu bekommen.

Von Damals und Heute
Eine Leidenschaft, die ich förmlich mit der Muttermilch aufgesogen habe, ist die für Geschichte. Meine Mutter hat Geschichte studiert und mich als Kind mit allerlei mittelalterlichen Einflüssen versorgt. So habe ich ganz natürlich ein Interesse für dieses Zeitalter entwickelt und, nach und nach, erweiterte sich dieses Interesse. Bücher, Fernsehberichte und die Besuche von Mittelaltermärkten halfen mir dabei. In der Schule hatte ich den Geschichtunterricht am liebsten, wenn es um die alten Römer, Kelten, Wikinger und das frühe und späte Mittelalter ging. Da schrieb ich auch meine besten Noten, während ich bei Themen wie Bronzezeit und erster Weltkrieg nie ein großen Interesse aufbringen konnte...
Während meiner Zeit in Irland hatte ich die Gelegenheit an der Universität einige Kurse über die alten Kelten und die Irische Geschichte zur Zeit vor den Wikingern und dem „Irish Tiger“ zu besuchen. Es faszinierte mich (und tut es natürlich noch immer), wie die Leute damals gelebt haben, wie sie arbeiteten, wohnten, lebten und glaubten. Aus den Vorlesungen über Archäologie weiß ich, dass man durch Funde und Aufzeichnungen römischer Geschichtsschreiber so einiges über den Glauben der Kelten erfahren kann und doch wird man nie alles wissen. Dadurch haben die Krieger, Künstler und Druiden immer noch etwas geheimnisvolles und mysteriöses für mich an sich.
Ich entwickelte dadurch auch ein Interesse an der keltischen Sprache, dem Gälischen. Ich liebe Sprachen, was wohl auch der Grund für meine Studienwahl war... Vorlesungen über Sprachgeschichte- und wandel, Altenglisch, Mittelhochdeutsch und Sprachkurse in Franzöisch, Kroatisch und Irischkann ich so einerseits für mein Studium anrechnen und andererseits kann ich etwas tun was mir Spaß macht und über etwas mehr erfahren, dass mich sehr interessiert. Sprache ist wichtig, denn wie sollten wir uns anders mitteilen und ausdrücken, auf der anderen Seite ist unsere Sprache auch ein Indiz dafür, dass wir alle irgendwo die selben Wurzeln haben, irgendwann der selben (Sprach)Familie entstammten und sind dadurch mit denen verbunden, die vor uns lebten und ihre Sprache entwickelten und so weit formten, das unsere Heutige daraus wurde.


Natürlich liebe ich auch andere Medien wie Filme und Musik. Zu einem schönen gemütlichen Abend mit einer Schale Nachos, meinem Schatz und einem blutigen Horrofilm würde ich nicht nein sagen. Vor allem Fantasy- und Horrorfilme und auch der ein oder andere Splatterfilm flimmert bei uns gerne mal über den Bildschirm.
Auch Musik ist für mich natürlich ein wichtiges Thema, wie ich ja schon in den anderen beiden Beiträgen zum Gothic Friday geschrieben hatte, jedoch beschränkt sich das nur auf das Hören und den Besuch von Konzerten und Festivals. Ich singe zwar für mein Leben gern, allerdings nur unter der Dusche und die Gitarrenkenntnisse, die ich als Kind mühsam eingetrichtert bekommen habe, wende ich auch nur noch an, wenn's mir mal wirklich nach ein wenig klimpern ist...
Auch das szenetypische "Wandern über den Friedhof" mache ich sehr gerne, allerdings empfinde ich es generell als sehr beruhigend und gedankenanregend, mich an ruhigen Orten zu befinden. Sei es nun ein verschneiter Winterwald, eine einsame Steilküste oder die Rheinbrücke in Konstanz bei Nacht. Sicher, dort besteht nicht die direkte Nähe zum Tod, wie auf einem Friedhof und Grabsteine im Nebel geben immer ein tolles, stimmungsvolle Motiv ab, dennoch sind mir die anderen erwähnten Orte (und natürlich ncoh so viele andre, die keine Erwähnung finden) genauso lieb.

Nun, rückblickend ist mein Beitrag doch auch ganz schön lang geworden. Hätte ich am Anfang gar nicht gedacht, aber wenn man einmal beginnt, seine Gedanken in Worte zu fassen und diese zu formulieren, dann kann man gar nicht mehr aufhören. Immer wieder löscht man seine Sätze wieder und noch immer habe ich das Gefühl, dass ich nicht ganz das ausdrücken konnte, was ich eigentlich sagen wollte.
Wie dem auch sei, dies war mein Beitrag und ich würde jedem empfehlen auch die anderen Beiträge zum Thema zu lesen (hier ud später in der Zusammenfassung findet man nochmal die vollständigen Links).
 
 
Befindet sich in: Konstanz
Fühlt sich: cheerful
 
 
 
shan_dark on March 18th, 2011 10:05 pm (UTC)
Nein nein, Du musst dich da nicht "verstecken" mit Deinen Leidenschaften. Erstens sind die so individuell wie jeder Mensch es ist und zweitens kann sich aus den noch nicht so häufigen Sachen, die Du magst, irgendwann mal DIE Passion schlechthin entwickeln. Ich nähe zum Beispiel auch, aber komme auch nicht ständig dazu oder hab nicht immer Bock drauf. So isses halt. Trotzdem kann es ja eine Leidenschaft sein.
Lustig fand ich deine Klamottenwahl am Morgen ;-) wie lange brauchste dann um den Klamottihaufen wieder in den Schrank zu räumen?? Und bis zu 4x am Tag umziehen? Du bist echt crazy!


Ich fand deinen Beitrag und vor allem das Intro sehr emotional und super sympathisch. Lässt sich natürlich wie die anderen zuvor auch sehr gut lesen, tolle Überschriften gewählt - klasse. Hab auch nicht gewusst, dass Tattoos und Piercings heutzutage als "body mods/modifications" bezeichnet werden. Bei mir isses dann nur eine Face Modification, da ich nur ein Augenbrauenpiercing habe. Aber schon lange und ich liebe es nach wie vor.

Danke für den tollen Beitrag!
maehnenwolf on March 19th, 2011 11:19 am (UTC)
Danke :)

Ich kam mir nur etwas klein vor, als ich die ganzen Beiträge gelesen habe und dann gedacht habe... Joa... ich mach' ja sogut wie nichts Gescheites... :( Aber vielen Dank für die aufbauenden Worte!
Na ja, je nachdem wie früh ich aufstehen muss, mache ich mein Klamottenhaufen-Ritual auch mal am Abend, aber meistens brauch ich echt ne Weile, bis alles wieder verstaut ist (oder lass einen Teil einfach rumliegen, bis ich wieder aus der Uni komme ^^;).