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22 July 2011 @ 01:26 pm
Gothic Friday #07 – Symbol und Sinnbild  
Der Gothic Friday geht in die siebte Runde und dieses Mal wird es kryptisch...!

Symbole sind etwas, das jeder kennt und auch benutzt. Ob es nun sinnbildliche Metaphern sind, die beim Sprechen und Beschreiben von Dingen einfließen, oder Zeichen, die man sich als Schmuck an Ohren und Hals hängt oder gar auf (und in) die Haut zeichnen lässt – Symbole sind in unserem Leben überall vertreten. Gerade die dunkle Seite der Gesellschaft umgibt sich gerne mit Zeichen, die für den Tod, das Böse oder den Antichristen stehen. Doch leider wissen viele nicht, was sie da an der Kette baumeln haben und verbreiten so teils unbewusste Botschaften an all jene, die das Symbol zu deuten wissen.
Andere wiederum deuteten bekannte Symbole für sich um und lassen ihnen so eine vollkommen neue, persönliche und individuelle Bedeutung zukommen. Dass das zu Problemen führt ist offensichtlich aber trotzdem macht es immer wieder Spaß Leute aufzuklären und ihnen die eigene Bedeutung der verwendeten Symbole zu erklären. Wer weiß, der ein oder andere erfindet vielleicht sogar sein ganz persönliches Symbol.
Um das alles herauszufinden und einen Anreiz zu geben darüber zu schreiben steht der Juli ganz unter dem Thema Sinnbilder und Symbole.


Natürlich tummeln sich in meinem Leben einige althergebrachte Symbole. Totenköpfe, Kreuze in sämtlichen Formen, Fledermäuse, etc. Das Ankh beispielsweise stammt aus dem alten Ägypten und symbolisiert Unsterblichkeit und Lebenskraft. Ich trage dieses Symbol zwar auf einem meiner Bikini-Oberteile, allerdings hängt es für mich eigentlich nur mit der Band „The 69 Eyes“ zusammen. Das umgedrehte Kreuz hingegen (auch Petruskreuz genannt) ist ein Symbol, mit dem man vorsichtig umgehen sollte. Im christlichen Glauben heißt es, dass Petrus sich kopfüber habe kreuzigen lassen, da er sich nicht für würdig hielt in der selben Position wie Jesus zu sterben. Aus dieser Respektsbekundung entwickelte sich jedoch eine genau entgegengesezte Symbolik. Häufig wird das Petruskreuz daher mit Satanismus verbunden und steht generell für die Ablehnung der Kirche und dem christlichen Glauben. Für mich steht es aber einzig und allein als Symbol gegen die Kirche als Institution. Jedem seinen Glauben, aber was diese ganzen religiösen Führer (seien es nun Moslems, Christen oder wasweißich) anrichten gefällt mir einfach nicht und das ist meine ganz eigene und persönliche Interpretation des umgedrehten Kreuzes. Auch das eiserne Kreuz wird meistens mit sehr negativen Ereignissen in Verbindung gebracht. Dabei war es ursprünglich eine der höchsten Auszeichnungen, die ein Soldat bekommen konnte und jetzt hängt ihm permanent der dunkle Schatten des Nationalsozialismus an. Dieses Kreuz ist ebenfalls ein Symbol zu dem ich gerne greife, allerdings weder aus Nationalgefühl noch aus irgendeinem unsinnigen faschistischem Grund. Für mich ist dieses Kreuz schlichtweg ein Ausdruck für meinen Uniformen-Fetisch!
Auf die Symbolik von Tieren einzugehen ist sehr ermüdend. Beinahe jede Kultur hat unzählige Interpretationsmöglichkeiten für diverse Tiere, die sich nicht selten widersprechen. Die Fledermaus beispielsweise gilt in China als Glücksbringer während sie in Europa als Dämon und Verkörperung des Teufels angesehen wurde (wird?).


Viel interessanter sind doch Symbole, mit denen man persönlich verknüpft ist. Abstrakte Symbole wie Kreuze, das Biohazard-Zeichen und dergleichen sind mir jedoch zu... abstrakt. Und da ich weder Schmuck noch T-Shirts designe bleibt mir nur eine Möglichkeit meine eigenen Sinnbilder zum Ausdruck zu bringen:
Tattoos!
Seit ich denken kann wollte ich ein Tattoo aber für mich stand schon immer fest: ein einfaches Tribal oder eine 0815-Blume wird es ganz bestimmt nicht! Denn meine Tattoos sollen zu mir passen und nicht irgendeine Symbolik vertreten, die so allgemeingültig ist wie die Rose als Symbol für Liebe und Leidenschaft. Über meine ersten beiden Tattoos und auch mein neustes Werk hatte ich hier ja schon einmal berichtet, aber dabei habe ich das Thema der Symbolik immer gekonnt umschifft. Einerseits weil sie sehr persönlich ist und andererseits, weil ich auch nicht alles auf einmal erzählen wollte!

Fledermausflügel:
Ja, nur die Flügel. Ich wollte kein komplettes Tier auf meinem Bein haben, sondern mir einerseits die Freiheit nehmen über die bloße Tierform heraus zu interpretieren und gleichzeitig die Symbolik einzugrenzen. Geht das?
Auf jeden Fall symbolisieren sie mir Freiheit – ein Motiv dass ich in allen meinen Tattoos einzubringen versuche (was die Motiv-Wahl gewiss etwas einschränkt...). Aber auch für innere Ruhe und Balance stehen diese zwei symmetrisch angeordneten Flügel und natürlich für eine dunklere, nachtaktive und von der Gesellschaft nicht 100%ig akzeptierte Seite von mir.

Wolfstatzen:
Natürlich steht der Wolf auch für Freiheit, aber die Hauptaussage, die dieses Tattoo treffen sollte war mein Streben nach Gesellschaft. Der Wolf wird zwar immer wieder als Einzelgänger beschrieben und teilweise gehen die männlichen Wölfe auch alleine auf die Jagd, aber im Grunde sind diese wunderschönen Wesen eines: Rudeltiere. Nichts geht über die Familie (und Freunde) und nur zusammen ist man stark und kann etwas erreichen! Und genauso geht es mir auch. Auch wenn ich manchmal gerne alleine herum streife und Zeit für mich brauche, so fühle ich mich in Gesellschaft die meiste Zeit über viel wohler.
Außerdem ist dieses Tattoo auch zwei Personen aus meinem Leben gewidmet. Meiner verstorbenen Oma, die ich nur wenige Jahre kennen durfte, aber der ich anscheinend ähnlicher bin als sich meine Mutter manchmal eingestehen will und meiner lieben Schäferhündin Xena, die mich leider während meines Auslandaufenhaltes für immer verlassen hat.

Die Bettelranke:
Ja, ein blöderer Name ist mir nicht eingefallen...
Jeder kennt doch Bettelarmbänder, an die man immer wieder neue Anhänger dran hängen kann. So ähnlich sehe ich meine Ranke auch. Die Ranke an sich steht natürlich wieder für Freiheit und (persönliche) Entfaltung und da mich die kleinen Zwirbelchen an Efeu erinnern steht sie auch für die winterfesten und immergrünen Eigenschaften desselben.
Die kleinen Anhänger, die ich an meine Ranke hängen ließ, haben auch alle ihre kleinen Bedeutungen. Das Kleeblatt symbolisiert Irland, wo ich für eine (leider viel zu kurze) Zeit gelebt habe. Dadurch steht es für mich einerseits für die Insel, das Land, die Leute und deren Mentalität, aber auch für die Herausforderung sich in der Fremde zurecht zu finden und immer seinen eigenen Weg zu gehen.
Das Buch ist sehr einfach zu interpretieren: Leselust, Fantasie, Bildung, aber auch ein bisschen Weltflucht und Selbstüberschätzung...
Das Symbol, dass ich besonders gelungen finde ist die kleine Sonne. Zusammen mit den Wellen am unteren Rand und dem Schachbrett-Muster im Hintergrund steht sie für Kroatien, ein Land mit dem ich viel verbinde. Die erste (unerwiderte...) Liebe, Freiheit, Freunde, Entspannung, Besinnung, Familie, Trauer, Freude, Neuentdeckungen, Gelassenheit, Ruhe, Krieg, ausgelassene Urlaubsstimmung, Wärme und Geborgenheit.
In diesem Tattoo verstecken sich also auch zwei ernst gemeinte und aufrichtige Liebeserklärungen. Eine an die Bücher und die Welten in ihnen und eine an ein kleines Dorf auf einer kleinen Insel, die in der kroatischen Adria liegt. Volim te!
 
 
 
Befindet sich in: Konstanz
Fühlt sich: grumpy
Hört: Regen...